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SehFee unterwegs. Heute: Doreen bekommt Nachtlinsen. Teil 1: Vor der ersten Linsennacht

Manch Weichlinsenträger kennt das: Man wacht nachts auf, weil die Blase drückt. Ein verschlafender Blick auf den Wecker in der gegenüberliegenden Ecke des Zimmers und zack – plötzlich ist man hellwach. Die kurze Freude darüber, dass man die Uhrzeit auf dem Wecker lesen konnte, weicht der Erkenntnis, dass man vergessen hat, die Linsen vor dem Schlafengehen rauszunehmen. Dann geht das Rausfriemeln los – mit sowieso schon kleinen Augen, an die sich die Linsen regelrecht festzukrallen scheinen. Autsch.

Nun stelle man sich die selbe Situation vor – also aufwachen, Blase, Wecker, Erkenntnis: Linsen noch drin. Doch dann: Ab aufs Klo, wieder ins Bett, Augen zu, weiterschlafen. Kein Schreck, kein Rausfriemeln. So verläuft die Geschichte nämlich mit so genannten Ortho-K-Linsen. Streng genommen heißen die Orthokeratologische Linsen, aber wir wollen es mal nicht unnötig kompliziert machen. Ortho-K-Linsen sind harte Kontaktlinsen, die nur nachts getragen werden. Im Gegensatz zu ihrem Träger, der seinem wohlverdienten Schlaf fröhnt, sind die Linsen quasi nachtaktiv und versetzen die Hornhaut des Auges in eine bestimmt Form. Der Effekt ist ziemlich erstaunlich: Wenn die Linsen am nächsten Morgen in ihren Behälter wandern, ist – tada – die Sehkraft für den Tag wieder hergestellt. Das Ganze hält dann den Tag über an. Gehts abends ins Bett, kommen die Linsen wieder aufs Auge.

Für den Otto-Normal-Kontaktlinsenträger klingt das erstmal nach Ortho-Unnormal und verkehrter Welt. Tatsächlich sind diese Nachtlinsen aber eine ziemlich clevere und – wie ich finde – interessante Form der Sehkorrektur. Das wollte ich mir mal genauer angucken und habe Doreen begleitet, die sich bei Diplom-Augenoptikerin Judith Ortho-K-Linsen hat anpassen lassen.

Fee: Doreen, was hattest du vorher für eine Sehhilfe?

Doreen: Brille und weiche Monatslinsen. Die Brille hab ich meistens abends erst aufgesetzt. Tagsüber habe ich so gut wie immer die Weichlinsen getragen.

Fee: Warum hast du dich dann für Ortho-K-Linsen entschieden?

Doreen: Ich arbeite im Wasser. Da vergisst man beim Eintauchen hin und wieder, die Augen zuzumachen.  So hatte ich dauernd die Angst, dass die Linsen weg sind. Von daher ist es natürlich praktisch, wenn man tagsüber nichts mehr braucht. Und ich bin “kurzsichtig  genug“, um eine Sehhilfe zu brauchen, also Autofahren ohne geht nicht.

Fee: Wieviel Dioptrien hast du?

Doreen: Minus 1,5, und minus 1,25. Ist nicht soo viel, aber man merkt es eben. Es reicht aus um lästig zu sein. Mir ist es damals bei der Führerscheinprüfung aufgefallen.

Fee: Hattest du irgendwie Angst oder Bedenken, Ortho-K-Linsen zu nutzen?

Doreen: Nein gar nicht. Ich war ganz aufgeregt und hab mich drauf gefreut.

 

Fee: Sag mal Judith, bis zu welcher Dioptrienzahl kann man Ortho-K-Linsen  tragen?

Judith: Bis minus 4,5 und Hornhautverkrümmung bis minus 2,5

Fee: Gibt es denn eine Art “Mindest-Sehschwäche“, also dass man sagt, ab -1,25 machen Ortho-K-Linsen Sinn?

Judith: Nein, man kann auch -0,75 ausgleichen. Die Frage ist, ob der- oder diejenige wirklich eine Sehhilfe für alle Lebenslagen braucht. Leute mit leichter Sehschwäche tragen die Brille oder Kontaktlinsen wahrscheinlich eh nur zum Autofahren. Für sie ist es dann oft eher lästig, jede Nacht eine Linse zu tragen. Wichtig ist auch, dass, wenn man eine Hornhautverkrümmung hat, die Kurzsichtigkeit mindestens den Wert der Hornhautverkrümmung hat. Das heißt, wenn jemand eine Kurzsichtigkeit von 0,5 und eine Hornhautverkrümmung von -1,5 hat, dann geht das nicht. Man sollte dann schon -2 mit -1,5 haben.

Doreen: Was, wenn ich nachts mal raus muss?

Judith: Dann gehst du raus, ganz normal. Du solltest aber mit den Linsen nicht unbedingt stundenlang spazieren gehen.

Doreen: Hab ich nachts nicht vor 😉

Judith: Wenn du weißt, dass es länger dauert, weil du dich z.B. um dein Kind kümmern musst, dann nimm sie lieber raus.

Doreen: Und dann kann ich sie nach 3 Stunden einfach wieder einsetzen?

Judith: Genau, dann setzt du sie ganz normal wieder rein.  Aber wenn du nur mal kurz auf die Toilette musst oder den Nuckel reinstecken, ist das kein Problem.  Die Linse sollte nur nicht solange auf dem Auge sein, wenn das Auge offen ist, weil sie sich dann gerne mal woanders hinschiebt als da, wo sie wirken soll. Deswegen schön mit Flüssigkeit einsetzen, Augen zu, schlafen. Das ist das Beste.

Hartlinse für die Nacht

Da isse: Doreens neue Kontaktlinse.

Nachtlinse einsetzen

Mit professioneller Hilfestellung kommt die Linse flugs aufs Auge.

Nachtlinse einsetzen

Fee: Was kann an Nebeneffekten auftreten nach der ersten Nacht?

Judith: Es kann sein, dass die Linse morgens fest ist. Deshalb sage ich immer:  Die Linsen vor dem Rausnehmen schön „locker machen“. Ansonsten kann nicht viel passieren, wenn sie sich daran hält, was wir besprochen haben. Und es darf eben nichts drunter sein. Wenn z.B. ein Staubkorn die ganze Nacht unter der Linse ist, was man ja beim Schlafen nicht unbedingt merkt, besteht auch die Möglichkeit, dass eine kleine Verletzung zu sehen ist. Daher sollte man abends immer drauf achten, dass die Linsen nicht so doll reiben und keine Luftblasen drunter sind.

Doreen: Also dann lieber nochmal in den Spiegel gucken nach dem Reinmachen.

Judith: Genau. Und den Linsen-Behälter genau wie bei deinen weichen Linsen offen stehen und trocknen lassen – nur eben nicht am Tag sondern über Nacht 🙂

Doreen: Und morgens mache ich als erstes Tropfen rein.

Judith: Genau: Als erstes ab ins Bad, 2 Tropfen rein, locker machen, Linsen raus, putzen und dann geht der Tag los.

Fee: Was würde denn passieren, wenn man die Linsen einfach nicht rausnimmt morgens?

Judith: Man würde gut gucken können aber es ist so, dass die Linsen an einer ganz bestimmten Stelle wirken sollen. Man will ja einen runden abgeflachten Bereich haben. Wenn man dann blinzelt, bewegen die sich. Das heißt, man hätte nicht nur einen abgeflachten Bereich, sondern die Linsen würden an verschiedenen Stellen diese Wirkung entfalten. Dadurch hätten wir nicht wirklich die Stärke, die wir brauchen und viel mehr Unregelmäßigkeiten auf der Hornhaut. Die Linse muss wirklich an einer Stelle sitzen.

Wie Doreen ihre erste Nacht überstanden hat, ob, wie und was sie danach sehen kann, erfährt der geneigte Leser dieses Blogs dann im nächsten Teil 🙂

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