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Mit Kontaktlinsen stilsicher in den Mai starten. Wie? Lesen.

Hurra Hurra, der Mai ist da! Morgen ist es soweit. Vergessen sind alle Sorgen, ist aller Ärger. Aus Feind wird Freund, die Sonne lacht, das Leben ist schön.

Ja, auch ich bin eine Freundin des Mai. Denn der Mai ist – Achtung, es wird philosophisch – Ziel und Anfang gleichermaßen. Jawohl. Einserseits fühlt man sich wie am Ende einer Odyssee, die zwischenzeitlich endlos zu sein schien. Eine Odyssee durch  Regen und Matsch, mit klapprigen Regenschirmen gegen widrige Winde kämpfend, mit dicken Winterjacken in überheizten Läden schwitzend, unbeweglich eingezwängt in diverse Schichten aus Wolle und Fleece an unüberdachten Bushaltestellen auf verspätete Busse wartend, an Montagmorgen auf dem Weg zur Arbeit in grimmige Gesichter blickend, den Abend auf dem heimischen Sofa bei Muschebubu-Licht und Heißgetränk herbeisehnend. Vorbei – dank Mai 🙂 Jetzt wird alles gut.

Wenn der April rum ist, wird nicht einfach nur ein Kalenderblatt abgerissen und sowas wie „krass, wie schnell die Zeit vergeht“ gemurmelt (was angesichts des endlosen Winters, der hinter uns liegt, nicht weniger als eine schier ungeheuerliche Verschleierung von Tatsachen ist). Nein, wenn der Mai beginnt, dann wird getanzt. Das Repertoire reicht dabei vom gemütlichen Schwofen auf dem Dorfplatz über eine Punk-Session im miefigen Szene-Schuppen bis hin zum Gruppengehopse zu den neuesten Chart-Krachern in der Großraumdisse. Jeder, wie er’s mag. Als Linsenträger ist man da natürlich auf der sicheren Seite. Egal, wie wild getanzt wird, wie doll einem der Schweiß aus den Poren rinnt und wie nah man seinem Tanzpartner kommt – der Kopf ist frei. Kein Rahmen, der runterfällt, keine beschlagenen Gläser und garantiert kussecht sind Kontaktlinsen auch. Bei mir persönlich wird es ein bisschen schwierig, wenn die location verraucht ist oder Nebelmaschinen zum Einsatz kommen. Da ich von Natur aus mit trockenen Augen zu kämpfen habe, meldet sich die Kontaktlinse dann ziemlich schnell auf dem Auge. Da hilft nur Nachbenetzen oder – trotz oben genannter Widrigkeiten – die Brille rausholen, die ich in weiser Voraussicht immer im Täschchen habe. So gesehen laufen meine Party-Abende eigentlich immer gleich ab: Mit Kontaktlinsen, vielen guten Vorsätzen und vollem Portemonnaie hin – mit Brille, komplett über Bord geworfenen Vorsätzen und Schulden bei sämtlichen Freunden zurück.

Wer den Tanz in den Mai halbwegs unbeschadet überstanden hat, für den geht es am ersten Tag des Monats entweder zum Demonstrieren oder aber zum Maibaum-Klettern. Als ich vorhin durch die Straßen streifte, kam ich zufällig an einer bunt geschmückten Birke vorbei – und fühlte mich prompt in meine Kindertage zurückkatapultiert. Denn da wiederfuhr mir Schreckliches. Dabei ist mir immernoch nicht klar, wer diese doch eher süddeutschen Gefilden zuzuordnende Tradition des Maibaum-Kletterns in eine norddeutsche Kleinstadt eingeschleust hat, aber gut. Als Mini-Fee von sechs Jahren stellt man keine Fragen, sondern überlegt nur, wie man am schnellsten an die vielen bunten Geschenke kommt, von denen einen etwa drei Höhenmeter und eine verdammt rutschige Metallstange trennt. Glücklicherweise war letztere genau mein Metier. In Nullkommanix war ich oben, nur eine Armlänge entfernt von der unfassbar coolen silbergrauen Plastikpistole (so eine, die leuchtet, wenn man schießt und dazu die passenden Geräusche macht – damals DAS Ding im Neubauviertel). Ein letzter kräftezehrender Kletterzug, ein beherzter Griff und Zack – war ich stolze Besitzerin eines Aschenputtel-Puzzles. Es war der schlimmste 1. Mai meines Lebens, soviel steht fest.

Ich muss dazu sagen, dass meine Kurzsichtigkeit zu diesem Zeitpunkt noch nicht entdeckt war. Von daher ist nicht mit Sicherheit auszuschließen, dass diese mich um meine Super-Pistole gebracht hat. Und Kontaktlinsen sind für den Einsatz an der Maibaum-Stange quasi prädestiniert. Das Ganze ist nämlich eine ziemlich schweißtreibende Sache. Wem da die Gläser von innen beschlagen, der sieht ganz schön alt aus und ist schneller Puzzle-Besitzer als er „Scheiße, meine Brille beschlägt“ sagen kann. Auch ist man mitunter mit dem Gesicht ziemlich nah an der Stange, braucht aber beide Arme um sich festzuhalten. Eine verrutschte Brille auf der Nase kann da zu einem echten Problem werden. Eltern, die das jetzt lesen und sich möglicherweise fragen, ob denn ihr sechs- oder siebenjähriges Kind tatsächlich schon Kontaktlinsen tragen kann, sei gesagt: Ein Mindestalter für Kontaktlinsen gibt es nicht. Allerdings müssen ein paar Dinge beachtet werden, wie man gut auf der Seite vom Kuratorium Gutes Sehen nachlesen kann.

Naja, vom Maibaum-Klettern bin ich geheilt. Da schwing ich doch lieber das Tanzbein – bis der Mai kommt.

Mit Kontaktlinsen in den Mai tanzen

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