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Mit Kontaktlinsen auch in der Bus-Sauna cool bleiben – oder zumindest wirken

Irgendwie habe ich gerade das Gefühl, der Herbst wurde mal ganz fix nebenbei abgearbeitet und direkt durch den Winter ersetzt. Nix mit Goldener Oktober und draußen sitzen im Café, eingemummelt in eine Fleece- Decke. Selbst meine Übergangsjacke (ihr erinnert euch) musste ich tatsächlich schon gegen den Wintermantel austauschen.  Was mich wiederum in eine ziemlich unangenehme Situation bringt.

Folgendes Szenario: Außentemperatur morgens: 4 Grad. Schon beim Aufstehen friere ich wie ein Schneider und wickele mich, zwiebelgleich, in diverse Schichten aus Textil. Als ich vor die Tür trete: Freude. Denn es ist arschkalt, aber ich friere nicht. Ich laufe die Straße runter zur Bushaltestelle. Und – erneut Freude. Denn es ist arschkalt und ich muss warten, ABER ich friere nicht. Dann kommt der Bus. Wie immer ziemlich voll, aber – oh Freude – ich passe noch rein. Die Tür schließt. Jetzt freue ich mich nicht mehr. Denn: Ich seh nix mehr. Die Gläser beschlagen schneller als ich mein Ticket aus dem Portemonnaie frickeln kann. Schließlich finde ich es doch noch und wedele damit halbblind in Richtung, wo der Busfahrer sitzen müsste rum. Als der Bus schließlich losruckelt, mache ich – Brille in der einen, Portemonnaie in der anderen Hand – einen Satz nach vorn und mein Fuß unsanft Bekanntschaft mit den (zugegeben ziemlich coolen) Stiefeln der Frau vor mir. Ich würde sie gern fragen, wo sie die Treter her hat, bin aber noch überfordert mit der nach wie vor beschlagenen Brille in der einen Hand und dem Portemonnaie in der anderen und festhalten müsste ich mich auch mal irgendwie. Außerdem sind im Bus gefühlte 30 Grad. Die Heizung bollert vor sich hin und pustet warme Luft in die müden Gesichter. Einige der Fahrgäste haben schon ihre Jacken ausgezogen. Für mich, die ich wie eine – nun: Zwiebel – auf einem Sandwich zwischen  Aktentaschen und Achselhöhlen hänge, bietet sich diese Option leider nicht an. Ok, cool bleiben. Musst dich nur kurz akklimatisieren, dann passt das schon.  Merkt ja keiner, dass dir grad ein Schweißtropfen den Rücken runterläuft. Das Ding ist, egal wie relaxt zu bleiben ich versuche, ein kleines Accessoire sorgt dafür, dass garantiert jeder im Bus meine aktuelle Körpertemperatur auf mindestens eine Kommastelle genau ablesen kann: Meine Brille. Ey wie ich das hasse. Da ist man froh, dass man grad den Wasserdampf runterpoliert bekommen hat und dann fängt das Ding an, von innen zu beschlagen. Super. Fast gar nicht unangenehm. Hallo Welt – ja mir ist warm. Stellt euch vor. Und wisst ihr auch warum? Weil der Typ da vorne einen auf Sommer macht. Ja, genau Sie, Herr Busfahrer. Wie Sie da gemütlich in Ihren gepolsterten und gefederten Sitz gegossen sind. Wie Sie da sitzen in Ihrem luftigen Hemdchen garniert mit einem lässigen Pullunder. Hallo? Schonmal dran gedacht, dass 99,9 Prozent der restlichen Besatzung nicht den ganzen Tag hier drin verbringen, sondern bei gefühlten minus 10  Grad die 800 Meter von der – übrigens viel, viiiiel zu weit abgelegenen – Bushaltestelle ins Büro latschen müssen. Da is mal schlecht mit Hemdchen – da ist man eine gottverdammte Zwiebel. Und die mag es gar nicht, kurz nach der morgendlichen Dusche schon gedünstet und geröstet zu werden und völlig “durch“ in den Tag zu starten. All das schießt mir durch den Kopf, als sich die Bus-Sauna durch den zähen Morgen-Verkehr schiebt. Das, und der Gedanke, dass ich morgen einfach wieder meine Kontaktlinsen nehme. So entfällt wenigstens der Teil der Fahrt, in dem ich wie ein Idiot halbblind oder mit zugedampften Gläsern in der Gegend rumstelze. Und falls sich der Goldene Oktober doch noch blicken lassen sollte, pack ich sicherheitshalber gleich noch meine Sonnenbrille mit in die Tasche. Gute Aussichten.

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