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Durch den Winter mit Kontaktlinsen. Folge 2: Winterschlaf

Heute Morgen bin ich aufgewacht und spürte einen leichten, aber ziemlich unangenehmen Druck in meinem Kopf. Beim Blick in den Spiegel schaute ich dann in ein ziemlich verknautschtes Gesicht mit einer nicht weniger verknautschten Brille darauf. Die roten Abdrücke auf der Nase taten ihr Übriges, um das morgendliche Elend zu komplettieren. Und nun wusste ich auch, wo mein Brummschädel herkam. Offensichtlich war ich – mal wieder – mit Brille eingeschlafen. Und offensichtlich hat mich das gruselig-graupelige Wetter in einen derartigen Tiefschlaf versetzt, dass ich mich die ganze Nacht nicht einmal gedreht habe und die Brille so permanent auf eine Gesichtshälfte gedrückt hat. Für diese Theorie sprach nicht nur die erstaunlich tiefe Furche auf der einen Nasenseite, sondern auch die eigenwillige „Rekulila“-Frisur (rechts kurz – da plattgelegen -, links lang).

Passiert mir übrigens öfter in letzter Zeit, dass ich einfach so wegnicke. Selbst dann, wenn ich denke, ich bin noch relativ fit und wach. Kurz hingesetzt – plumps, lieg ich auf der Seite. Oder lehnt der Kopf an der Scheibe der UBahn. Was ziemlich eklig ist, weil man ja nie weiß, wer da vorher schon alles seine Schlafspuren hinterlassen hat. Und ja, geschlafen wird dieser Tage viel im öffentlichen Nahverkehr. Und scheinbar nicht nur da. Auch in den Foren häufen sich panische Fragen von Leuten, die mit ihren Kontaktlinsen auf den Augen weggesegelt sind. Klar, optimal ist das nicht. Und der Moment, wenn man morgens mit den Linsen auf den Augen aufwacht, ist alles andere als erhellend. Das klebt und zwickt und das Gefühl beim Rausmachen der Linsen ist auch eins von diesen Dingen, die völlig überflüssig sind und abgeschafft gehören. Auch danach erinnern einen die Augen meist noch eine ganze Weile daran, dass sie die gemeinsame Nacht mit den Kontaktlinsen alles andere als lustig fanden. Dann trocknen sie rum, brennen so vor sich hin oder zeigen einem so komische „Lichtkränze“, wenn man in Richtung Lampe guckt. Ok ok, ich hab es ja verstanden, ihr könnt euch jetzt wieder einkriegen. Nächstes Mal mach‘ ich die Linsen ja wieder raus.

Trotz des unangenehmen Gefühls am Morgen, braucht man nicht gleich Panik zu kriegen: Sind die Kontaktlinsen richtig angepasst worden, bestehen sie aus einem guten (sauerstoffdurchlässigen) Material und pflegt ihr sie immer ordentlich, also reibt sie immer schön ab und desinfiziert sie über Nacht, passiert in den meisten Fällen nix Schlimmes, wenn ihr mal ausnahmsweise vergesst, sie rauszunehmen. Schlimm kann es jedoch werden, wenn ihr die Linsen einfach irgendwo im Netz oder in der Drogerie gekauft habt, sie (zusätzlich) aus einem schlechten Material bestehen und sich deshalb über Nacht auf dem Auge festsetzen. Dann feiert alles, was sich tagsüber darauf angesammelt hat, eine ausgelassene nächtliche Party unter der Linse, mit dem Haken, dass der Linsenträger nicht eingeladen ist, sondern lediglich den Kater zurückbehält. Und damit meine ich nicht einen, den man mit Rollmops und saurer Gurke in den Griff bekommt. Eine handfeste Hornhautentzündung ist nicht nur schmerzhaft, sondern kann auch bleibende Spuren hinterlassen.

Ich sehe förmlich die verzweifelten Blicke der notorischen Winterschläfer vor mir. Was tun, wenn man quasi permanent auf der Schwelle zum Traumland wandelt? Dann lieber gar keine Linsen mehr tragen? Ich kann euch beruhigen. Es gibt tatsächlich auch supersauerstoffdurchlässige Kontaktlinsen, die für das nächtliche Tragen geeignet sind. Die können bis zu 30 Tage ohne Pause auf den Augen bleiben, dann kommen sie weg. Allerdings verträgt die nicht jedes Auge. Daher solltet ihr euch, wenn ihr euch für diese Art Kontaktlinsen interessiert, unbedingt mit eurem Anpasser besprechen und ihm auch in regelmäßigen Abständen einen Besuch abstatten.

Für mich kommen diese Tag- und Nachtlinsen leider nicht infrage. Da schalten meine Augen auf stur und drehen mir den Tränenhahn ab. Aber nicht schlimm. Auch mit Brille kann man prima auf der Couch abhängen oder im Bett fernsehen. Und mit dem richtigen Make-Up kriegt man sogar die morgendliche Furche auf der Nase vertuscht. Und jetzt entschuldigt mich – nach so viel Schreiberei verlangt mein Körper nach Ruhe. Guten Abend. Gute Nacht.

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